Eine Definition von Bujinkan Budo Taijutsu ist eigentlich unmöglich, da diese Kampfkunst keine exakte Form wie die „Do”-Disziplinen hat. Auch verändert sich das Bujinkan ständig und ganz besonders seit etwa 1992. So wurden von 1993 bis 1997 bestimmte Waffen jeweils als Lernschwerpunkt eines Jahres durchgenommen: Dies waren Rokushaku Bo, Yari und Kodachi, Naginata, Schwert und 1997 Jo. Von 1998 bis 2002 waren die verschiedenen Schulen (jap. Ryuha) Thema: Dies waren Shinden Fudo Ryu, Kukishin Ryu Happo Hiken Jutsu, Koppojutsu aus Koto-Ryu, Gikan-Ryu und Gyokushin-Ryu, Kosshijutsu aus Gyokko-Ryu und Hontai Takagi Yoshin Ryu (siehe dazu auch taikai.de). Im Jahr 2002 stellte Hatsumi Sensei fest, daß er jetzt alle Gefühle vermittelt habe, die Teil des Bujinkan sind.
Bujinkan ist ein Zusammenfließen von neun alten Schulen (jap. Ryu), die aus verschiedenen (12. bis 17.) Jahrhunderten stammen, in der Person von Soke Masaaki Hatsumi.
Diese Schulen sind:
Nur drei dieser Schulen (Togakure-ryu, Kumogakure-ryu und Gyokushin-ryu) sind Ninjutsu-Ryu. Deshalb trifft die Bezeichnung ”Ninjutsu” auch nicht den ganzen Umfang von dem, was Bujinkan ist. Deshalb steht das „Budo” (deutsch „Kriegsweg”) statt „Ninpo” (deutsch „Überlebensmethode”) in „Bujinkan Budo Taijutsu”. Bis etwa April 1995 war die Bezeichnung „Bujinkan Ninpo Taijutsu” üblich. Auf den japanischen Graduierungsurkunden steht entsprechend seit 1995 die Bezeichnung „Bujinkan Dojo Budo Taijutsu”.
Das Wort „Taijutsu” besteht aus zwei Teilen: „Körper” und
„Technik” im Sinne von Fertigkeit.
Das Wort „Bujinkan” schließlich setzt sich aus drei Wörtern
zusammen: „Bu” bedeutet „Krieg” oder „Kampf”,
„Shin” bedeutet „Gott”
und „Kan”
bedeutet „Haus” im Sinne von Geschlecht oder Stamm. In der deutschen
Sprache
wird nun eine eindeutige Relation der Worte zueinander gefordert. Es sind
dabei mehrere Varianten denkbar. Ich bevorzuge im Moment
„Haus des göttlichen Kriegers”.
Die Bewegungsabläufe sind natürlich. Da jeder Mensch anders
gebaut ist und über eine andere Mentalität verfügt,
sehen daher auch die
Bewegungen im Bujinkan Budo bei jedem anders aus. Dies trifft aber
erst dann zu, wenn der Übende so viel gelernt hat, daß er
sich selbständig weiterentwickelt. Bis dahin kopiert er die
Bewegungen seines Lehrers.
Über die genaue Zielsetzung dieser
Kampfkunst muß sich jeder selbst klar werden.
Unter dem Begriff „Ninjutsu” können alle möglichen Formen von Kampfkunst oder Kampfsport betrieben werden. Sogar zweifelhafte Gruppierungen, die im Tarnanzug durch Wälder schleichen, benutzen statt der Bezeichnung „Wehrsportgruppe” den Namen „Ninjutsu”.
Klarheit darüber, was man gerade vor sich hat, entsteht also erst durch eine nähere Benennung der tatsächlich betriebenen Schule bzw. Stilrichtung. Von den alten japanischen Schulen leben nur noch drei, die alle durch das Bujinkan Budo vertreten werden. Alle anderen Schulen sind entweder Neuentwicklungen oder Schüler (Tanemura, Manaka) von Soke (jap. für Familienoberhaupt) Hatsumi, die sich von ihm getrennt haben.
Die im Hessischen Dan-Kollegium e.V. vertretene Stilrichtung ist das Bujinkan Budo Taijutsu; das ist die Schule von Soke Hatsumi. Um von vornherein unerwünschte Einflußnahmen z.B. auf die Prüfungsordnung von außen zu unterbinden, wird im HDK e.V. nur die Bezeichnung „Ninjutsu” benutzt.
Das Wort „Ninjutsu” besteht aus zwei Teilen:
„Nin” für „Geduld” oder „Aushalten” und
„Jutsu” für „Technik” im Sinne von Fertigkeit.
„Ninjutsu” läßt sich am besten als „Überlebenstechnik”
übersetzen.
Man begegnet auch dem Wort „Ninjitsu”. Es handelt sich dabei nur um eine
andere Sprechweise. Die Bedeutung ist die gleiche.
Wie jedes Jahr fand auch in diesem Herbst ein Lehrgang mit Sveneric
Bogsäter am 28. und 29. September 1997 in Northeim statt.
Sveneric Bogsäter, seineszeichens 10. Dan Bujinkan Budo
Taijutsu, betreibt seit
40 Jahren Kampfkunst, wobei er Karate, Ju Jutsu und Aikido trainiert
hat.
Vor 20 Jahren hat er dann bei Bo F. Munthe begonnen, Ninjutsu zu
lernen.
Am ersten Tag des Lehrgangs erklärte Sveneric die Grundlagen des
Bujinkan Budo Taijutsu, wie die genaue Bezeichnung von Ninjutsu
eigentlich
lautet. Diese Grundlagen lernt der Ninjutsuschüler durch die
Sanshin bzw. Go Gyo No Kata und Kihon Happo. Sveneric erklärte
ausführlich, mit welchem Verständnis diese Kata geübt
werden sollten. So haben diese Kata keine präzise Gestalt
(gemeint ist damit die äußere Erscheinung), sondern
sie vermitteln Bewegungsprinzipien.
Durch die Sanshin No Kata, die Form der drei Herzen, werden die
Fuß- und
Beinbewegungen gelernt. Diese Form sollte mit der Einstellung eines
dreijährigen Kindes gelernt werden. Das heißt nicht kindisch,
sondern unvoreingenommen sollte diese Form geübt werden.
Denn der
Mensch neigt immer wieder dazu, in seine Gewohnheiten,
seien es gute oder
schlechte, zurückzufallen. Für einen Krieger bedeuten Gewohnheiten
den Tod, da so sein Verhalten vorausgesehen werden kann. Es ist daher
notwendig, ständig weiterzulernen. Wer aufhört zu lernen,
wer sich nur noch als Lehrer sieht, wird kurz aufblühen und
dann verwelken. Nur wer immer auch ein Schüler bleibt,
bleibt eine junge Pflanze, die weiterlebt.
Besonderen Wert wurde während des ganzen Wochenendseminars auf die
Stellung der Füße gelegt. Die Fußspitze muß im
Ablauf einer Bewegung immer in Richtung derselben zeigen, da sonst das Knie in
sich verdreht und dadurch verschlissen wird sowie das Gleichgewicht
verloren geht. Daher muß zum Beispiel bei einem geraden Fauststoß
der vordere Fuß kaum merklich nach innen gedreht werden.
Neben der Sanshin No Kata gehört die Kihon Happo - wie Sveneric
es nannte - zu den älteren Geschwistern, von denen man lernen kann.
Hier werden nun die Bewegungen der Arme gelernt. Beide Kata stammen aus
dem Gyokko Ryu Kosshijutsu. Sie lassen sich aber auch mit der Haltung
anderer Schulen ausführen. Das bedeutet, daß eine andere
Persönlichkeit die Bewegungen ausführt und sich so die
Erscheinung der Kata verändert.
Typische Eigenarten des Koto Ryu Koppojutsu sind die gekreuzten Beine,
die leicht Drehungen erlauben. Die Angriffsziele sind im Koppojutsu
harte Körperteile wie Knochen und Gelenke statt der weichen
Körperteile im Kosshijutsu.
Shinden Fudo Ryu kennt keine Stellungen (Kamae) und beginnt daher aus
einer natürlichen Haltung, wobei die Hände einfach seitlich
am Körper „hängen”.
Kumogakure Ryu verwendet bevorzugt beide Hände gleichzeitig zum
Blocken oder Schlagen.
Gyokushin Ryu benutzt gerne angewinkelte Arme und (eiserne)
Fingernägel zum Schlagen. Es werden auch nur wenige Schritte
ausgeführt, stattdessen wird der Körper durch die Beugung
der Knie bewegt.
Den Übergang zum nächsten Tag bildete dann Kukishin Ryu
Happo Hikenjutsu. Diese Schule ist bekannt für Waffentechniken
in Rüstung. Das Thema dieses Jahres (1997) ist Jojutsu. Und so
übten wir dann auch mit dem ca. 1,26 m langen Stock Kosshi Kihon
Sampo den ersten Teil der Kihon Happo. Dieser Stock ist in seiner
Handhabung ein Mittelding zwischen Schwert und Bo (Stock ca. 1,87 m).
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Jo. Es begann mit der
Hi Ryu Kata der Form des fliegenden Drachen.
Diese ist eine Form des Jo gegen Schwert. Sie besteht aus zwei Teilen.
Im ersten Teil wird versucht, den Schwertkämpfer durch eine
Schlagkombination zu treffen. Im zweiten Teil jagt der Stockkämpfer
für den Fall eines erfolglosen ersten Teils den Schwertkämpfer
durch Schläge in verschiedenen Höhen vor sich her. Bei
allen Techniken soll die Atmung natürlich sein.
Das heißt nicht
ruhig wie beim Teetrinken, sondern entsprechend der Anstrengung
muß auch die Atmung ausfallen.
Zum Schluß ging Sveneric noch auf philosophische Aspekte des
Ninjutsu ein. Im Leben der Menschen miteinander sollten die eigenen
Äußerungen positiv formuliert werden. Als Beispiel
führte
er das Rauchen an. Nicht gut wäre hier die Erklärung, gegen
das Rauchen zu sein; zusammen mit einer Auflistung aller negativen
Erscheinungen. Besser wäre es, für das Nichtrauchen zu sein;
zusammen mit einer Auflistung der positiven Erscheinungen, wie
Gesundheit, Kostenersparnis etc. So wird eine Ansammlung von
negativer Energie im Körper vermieden.
Sveneric Bogsäter wird voraussichtlich auch noch weitere
Seminare in Northeim halten.
Bitte „Bujinkan Darmstadt” als Betreff angeben,
damit die Nachricht nicht ungelesen gelöscht wird.
Gelobt sei der HERR, mein Fels,(Ps 144,1)
der meine Hände kämpfen lehrt und
meine Fäuste, Krieg zu führen